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Weimarer Republik (1918-1933)

Der Einfluss auf die Presse erfolgte in der Weimarer Republik mit Hilfe eines geschickten Netzes aus inhaltlicher und wirtschaftlicher Beeinflussung. Die Hauptrolle spielte dabei der Medienunternehmer Alfred Hugenberg. Mit seiner Nachrichtenagentur "Telegraphen Union" (TU) konnte Hugenberg der regierungsnahen Agentur "Wolffsches Telegraphen Büro" (WTB) bald den Rang ablaufen. 1913 gegründet und durch finanzielle Schwierigkeiten in Hugenbergs Fittiche geraten bezogen bereits 1928 1600 Zeitungen ihre Nachrichten von der TU. Die Telegraphen Union zielte offen auf politische Einflussnahme durch Nachrichtenselektion ab.

Einen weiteren Weg, die Presse zu beeinflussen, fand Hugenberg mit seiner Beratungsfirma "Vera", bei der kleine Zeitungen wirtschaftlichen Rat suchten. "Vera" war in Wirklichkeit ein Ausspähinstrument und arbeite in Personalunion mit Organisationen, die angeschlagene Zeitungen aufkauften. Wirtschaftlichen Einfluss nahm der Medienunternehmer außerdem mit Hilfe seiner Auslands-Anzeigen GmbH (seit 1923 Ala), die er kurz vor dem Ersten Weltkrieg gegründet hatte. Ala setzte die Werbekraft in politische Macht um, indem sie politisch genehme Zeitung schneller mit Anzeigen versorgte.

Fatal erwies sich für die Presse die Formulierung des § 118 der Weimarer Verfassung, der erstmals das Grundrecht der Meinungsfreiheit verbrieft. Im Wortlaut der Verfassung findet sich nicht der Begriff "Pressefreiheit" wieder. Die Gerichte sahen das als bewusste Auslassung an, während Journalisten die Pressefreiheit als selbstverständlich betrachteten. Die juristische Meinung ermöglichte massive Eingriffe in die Pressefreiheit vor allem durch die Republikschutzgesetze von 1922 und 1929. Allein 1931/32 wurden 516 Zeitungsverbote aufgrund der Republikschutzgesetze erlassen und 379 aufgrund von Notverordnungen.

In den Jahren der Weimarer Republik wurde der Rundfunk zu einem immer bedeutenderem Medium. Der Staat reklamierte seinen Anspruch auf die Kontrolle dieses Mediums. Juristen der Reichspost sahen die Telegraphenhoheit des Reiches (Telegraphengesetz von 1908) auch auf den Rundfunk bezogen. Wer Radio hören wollte brauchte besondere Erlaubnis und er musste die "Rundfunkgebühr" zahlen. Reichspost konnte den Rundfunk aber nicht allein finanzieren. Sie duldete daher regionale Rundfunkgesellschaften - unter ihren Bedingungen. Eine Dachorganisation, die "Reichs-Rundfunk-Gesellschaft", wurde gegründet. Die politischen Nachrichten kamen ausschließlich von der DraDAG (Drahtloser Dienst AG) als zentrale Stelle. Ein politischer Überwachungsausschuss und ein Kulturbeirat überwachten das Medium, das sich schließlich zu einem staatlich kontrollierten Unternehmensverband wandelte.