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Reformationszeitalter (1475-1648)

Die Durchsetzung der Zensur erfolgt seit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern um 1440. Dabei kann sie in drei Stufen unterteilt werden: Nach der anfänglichen rein kirchlichen Zensur wurde diese zunehmend von weltlichen Instanzen ersetzt und übernommen bis die weltliche Zensur schließlich ganz in den Vordergrund trat. Die Reglementierung der Presse wurden mit unterschiedlichen Argumenten gestützt: Die Überwachung diene dem Schutz der Religionen, der Staatsinteressen und dem Schutz der guten Sitten.

1475 wurde die kirchliche Druckzensur an der Universität in Köln eingeführt. 1479 verlieh der Papst der Universität Köln das Zensurrecht. Präventivzensur wurde von Universitäten jedoch wohl schon davor ausgeübt. Sechs Jahre später wurde die erste Zensurkommission auf ein Dekret des Fürstbischofs von Mainz eingesetzt und 1487 folgte die erste päpstliche Zensurverordnung. Mit der Einführung des "Index librorum prohibitorum" durch den Konzil von Trient erhielt die kirchliche Zensurpolitik eine dauerhafte Form. Der Index war noch bis 1966 gültig.

Zur weltlichen Zensur kam es erstmals 1512 mit dem ersten kaiserlichen Bücherverbot. Ein kaiserliches Edikt führte 1521 die weltliche Präventivzensur ein. Das Zensurwesen hatte jedoch mit Problemen zu kämpfen. Eine zentrale Zensur konnte nicht erfolgen, da zahlreiche Kirchenfürsten, Kaiser und Landesherren das Recht für sich in Anspruch nahmen. So kam es zu territorialen Unterschieden und Streit. Ein weiteres Problem war die zu große Anzahl an Schriften, die nicht zu kontrollieren war. Zum Teil konnten sich die Publizisten somit den strengen Einschränkungen entziehen: Die veröffentlichten ihre Schriften anonym, verkauften sie unter dem Ladentisch oder in einem angrenzenden Territorium wo kein Verbot herrschte.

1548 führte eine neue Polizeiordnung des Augsburger Reichstages Strafen für den Druck unzensierter Bücher oder Bücher ohne Impressum sowie Beschlagnahmung unerlaubter Druckerzeugnisse ein. Gefährlich erschien der Obrigkeit die Wirkung der Flugschriften der Reformationszeit (1517 bis ca. 1555), da diese in der Volkssprache geschrieben waren und daher ein ungewöhnlich großes Publikum erreichten. Damit wurden die durch Buchdruck verbreiteten Ideen erstmals zu einer politischen Macht.

Die Kontrolle der Presse erfolgte vor allem auch durch die Einflussnahme auf das Druckgewerbe. Bis 1750 war das Drucken ein normales Gewerbe ohne besondere "öffentliche" Funktion und unterstand daher wie alle anderen Gewerbe einer strengen Kontrolle durch weltliche und kirchliche Instanzen: Regierungen passten auf, dass sich nicht zu viele Drucker an einem Ort nieder ließen. Bischöfe bzw. (protestantische) kirchliche Oberbehörden schauten, dass der Inhalt nicht der Glaubenslehre widersprach: je nachdem wurde das die Druckgenehmigung, das so genannte "Imprimatur" erteilt oder auch nicht. Buchhändler mussten für Messen die angebotenen Bücher auf Verzeichnissen für die kontrollierende Instanz angeben. Nach 1580 war der Druck nur noch in Reichsstädten und Orten, wo ein Fürst oder eine Universität war, erlaubt, da es die Kontrolle erleichterte.