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Überwachung im Ersten Weltkrieg (1914-1918)

Auf der Grundlage des Gesetzes über die Ausrufung des Kriegszustandes 1914 ersetzte im Ersten Weltkrieg die Militärzensur die bestehende Pressefreiheit. Fast für das gesamte Reichsgebiet wurde das preußische Gesetz über den Belagerungszustand von 1851 wirksam (darin ist in § 5 die Suspendierung des Rechts "durch Wort, Schrift, Druck und bildliche Darstellung seine Meinung frei" zu äußern festgelegt). Dagegen regte sich Widerstand und eine starke parlamentarische Kritik an der Zensur. Das zwang die Reichsregierung zu wiederholter Rechtfertigung und zur Zusicherung, dass die Zensur mit Ende des Krieges aufgehoben werde.

Während des Krieges übernahm die Regierung und die Heeresführung die Kontrolle über jegliche Informationserstellung. Da die Presseaufsicht noch im ersten Kriegsjahr ungleichmäßig gehandhabt wurde, erhielt das Kriegsministerium den Auftrag, die im Februar 1915 gebildete Oberzensurstelle auszubauen. Das Resultat war das Kriegspresseamt, das für eine gleichmäßige Handhabung der Zensur sorgen sollte. Doch auch hier kam wieder ein Kompetenzproblem auf: Die Reglementierung betraf nur den militärischen Bereich, daher mussten sich die militärischen Stellen immer mehr politischen Spielraum von der zivilen Reichsleitung abtrotzen lassen. Die Folge: Eine straffe Lenkung der deutschen Presse wurde verhindert. Wer sich von der Militärzensur bedrängt fühlte, appellierte nicht selten mit Erfolg an den Reichskanzler.

Ende Februar 1918 entstand die "Vereinigte Presseabteilung der Reichsregierung", die bis für den amtlichen Verkehr der Reichsregierung und der Presse sorgte. Die amtliche Berichterstattung erfolgte über Heeresberichte, die weniger detailliert waren als diejenigen der alliierten Mächte. Trotzdem ließ man auch die Veröffentlichung gegnerischer Heeresberichte zu. Ein Verbot wäre unsinnig gewesen, da Zeitungen aus neutralen Ländern zugelassen waren.