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Das Mutterland der Pressefreiheit: England

Mit der Einführung der Druckkunst etablierte das regierende Monarchengeschlecht der Tudors (1485-1603) auch zugleich ein Kontrollsystem. 1529 gab Heinrich VIII eine Liste verbotener Bücher heraus. Wenige Jahre später, als zunehmend nicht autorisierte Publikationen auftauchen, forderte eine erste königliche Proklamation (1534) auch die Vorzensur: Veröffentlichungen sollten nur mit Lizenz möglich sein. Eine institutionelle Struktur bekam die Pressekontrolle 1557 mit der Gründung der Stationer´s Company, die als Standesorganisation der Drucker mit königlichem Privileg die Zensur in eigener Zuständigkeit vornehmen durfte. Die Macht der Stationer´s Company nahm kontinuierlich zu - auch unter den Stuarts ab 1603.

Zu einem Umschwung kam es, als sich die Hoheitsrechte der Krone zunehmend auf das Parlament verlagerten. Ein Dekret hatte der Stationer´s Company 1586 eine große Zahl von Kontrollmaßnahmen in die Hände gelegt. 1641 hob das Parlament dieses Dekret - den Star Chamber Decree - auf. Damit herrschte im Druckwesen Freiheit - jedoch nicht lange. Schon ein Jahr später wurde die Stationer´s Company wiederbelebt, um als falsch und skandalös betrachtete Pamphlete zu verbieten. Ein Erlass, der die Presselizensierung wiedereinführte, stieß aber erstmals auf Widerstand: John Milton formulierte 1644 seine legendäre fiktive Rede an das Parlament, die Areopagitica, die bis heute als erste große abendländische Verteidigung der Pressefreiheit gilt. Miltons Plädoyer für die Pressefreiheit blieb ohne Wirkung: 1649 wurden mit dem "Printing Act" die schärfsten Bestimmungen zur Reglementierung der Presse in England im gesamten 17. Jahrhundert eingeführt.

Mit der Glorious Revolution von 1688 ging die amtliche Pressekontrolle schließlich nieder. In der Bill of Rights von 1689 ist Pressefreiheit zwar noch nicht erwähnt, aber als das Parlament 1695 den "Licensing Act" nicht erneuerte, war die Pressefreiheit in England praktisch hergestellt. Nach Abschaffung der Vorzensur versuchte der Staat aber auf anderem Wege, wie z.B. durch wirtschaftliche Maßnahmen wie die Stempelsteuer, Einfluss auf die Presse zu nehmen.