Impressum | Haftungsausschluss

Vorkriegsphase des Dritten Reiches (1933-1939)

Der Nationalsozialismus führte die totalitäre Überwachung der gesamten Öffentlichkeit ein. Das "traditionelle" Mittel im Bezug auf die Presse war das Zeitungsverbot. 1934 erfolgte das Neugründungsverbot im Zuge des "Kirchenkampfes" für Zeitungen und Zeitschriften. Im Februar/März 1933 verbot das Regime zunächst die kommunistische und sozialistische Presse und im Mai dann auch die sozialdemokratische und Gewerkschaftspresse.

Die Kontrolle darüber, was die Öffentlichkeit an Informationen erreichen sollte, übernahm das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RVP), das durch Kabinettsbeschluss am 11. März 1933 eingerichtet wurde. Der Leiter: Joseph Goebbels.

Ein neuartiges Mittel der Einflussnahme schuf das Reichskulturkammergesetz vom 22. September 1933 mit dem Zusammenschluss der Verleger- und Journalistenverbände in Reichspresse-, Reichsrundfunk- und Reichsfilmkammer. Damit wurde der Interessengegensatz zwischen Unternehmen und Journalisten gewaltsam überdeckt und beruflicher Druck ausgeübt. Wenige Wochen später unterstellte das Schriftleitergesetz den Beruf des Schriftleiters einem "besonderem Schutz": Journalisten, die dem Reichsverband der deutschen Presse angehörten, mussten sich in eine Berufsliste eintragen lassen, um ihren Beruf auszuüben. Schriftleitern, die nicht auf einer Berufsliste standen, drohte Haft. Und wer auf der Liste stand, der musste aus Zeitungen fern halten, was der NS-Ideologie widersprach. Sofort nachdem das Schriftleitergesetz verkündet worden war, begann der Liquidierungsprozess im Verlagswesen. Die Grundlage dafür: Das Reichskulturkammergesetz, das etwa 1500 Verlegern wegen "Nichterfüllung der neuen Anforderungen" ihrer Verlagsrechte beraubte.

Zahlreiche weitere Verordnungen folgten mit dem Ziel der Durchsetzung der nationalsozialistischen Medienpolitik: Gleichschaltung. Ein Reichsgerichtsurteil von 1936 zeigt, wie sich die Nationalsozialisten die ideale Presselandschaft vorstellten: Es sollte eine "geordnete Presse" sein, die als "Mittel zur Erziehung" und "Führungsmittel" diente.