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Zeitalter der Aufklärung (1475-1648)

Im 18. Jahrhunderten entdeckte die Obrigkeit den Nutzen der Druckerpresse für eigene Ziele. Aus der obrigkeitlichen Pressepolitik entstand das Intelligenzblatt - ein Blatt mit amtlichen Mitteilungen und der Möglichkeit der Anzeigenschaltung für Privatleute. Da Amtspersonen (Lehrer, Beamte, Kleriker) das Intelligenzblatt des Amtes wegen lesen mussten, konnte die Obrigkeit einerseits offizielle Mitteilungen verbreiten und erhielt andererseits eine Einnahmequelle.

Zugleich kamen mit dem Zeitalter der Aufklärung neue Wissenschaften, Anstrengungen im Bildungssektor und ein gestiegenes Leseinteresse auf. Die zunehmende Bildung weitete die Lesefähigkeit aus und Publikationen erlebten einen Aufschwung, der sich bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer Zeitschriften- und Leserevolution ausweitete. In diesem Publikationsboom kam es schließlich zu einem Umschwung im Denken der Menschen: Es setzte sich die Überzeugung durch, dass Freiheit besser als Beschränkung der Presse sei. Aus der Verbindung beider Ideen in der Aufklärung entstand das Wort "Pressefreiheit". Zugleich erfreute sich der Ausdruck "Zensur" in keinster Weise Beliebtheit und wurde sogar in den Karlsbader Beschlüssen von 1819 gemieden.

In der Aufklärung bleib sich die Argumentation der Reformationszeit zur Rechtfertigung der Zensur erhalten. Zugleich stellte sich die Frage, ob Pressefreiheit als Gnade des Fürsten gewährt werden könne, ob sie aus Nützlichkeitserwägungen gestattet werden müsse, oder ob sie den Bürgern als Menschenrecht in jedem Fall zustehe. Friedrich II verfolgte das zweite Argument: "Gazetten, wenn sie interessante seyn sollten, nicht geniret werden müsten" (1740), was aber nur hieß, dass sich die Gazetten an seine Vorgaben zu halten hatten. Die Pressepolitik war höfisch bestimmt: Pressefreiheit wurde nur gewährt, wenn sich die Presse der verordneten Politik unterordnete.

Die deutschen Verhältnisse im 18. Jahrhundert waren insgesamt kunterbunt: Die freien Reichsstädte beschränkten die schriftstellerische Freiheit nur wenig, Universitäten waren meist zensurfrei, einige Gebiete, wie Hessen, gewährten eine ausgedehnte Pressefreiheit. Wunsch und Erfüllung der Pressefreiheit näherten sich im 18. Jahrhundert unter Friedrich II. und Joseph II. einander an. Und auch wenn Friedrich II im Juli 1743 die Zensur ausdrücklich wiedereinführte, hatte er dennoch bestimmten Zeitungen Freiheit gewährt und damit seine Unempfindlichkeit und seine religiöse Toleranz gezeigt. Beurteilt man die Presseverhältnisse in Preußen von 1740 bis 1786 muss der Vergleich zwischen Friedrich II und seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm II gezogen werden. Vor diesem Hintergrund erscheint Friedrich II. als wahrer Repräsentant der Freiheit. Einen Schritt weiter ging lediglich Joseph II. von Österreich, der den Weg für Garantiegesetze bereitete indem er den Raum der Pressefreiheit erweiterte und die Freiheit der Kritik auch auf die Kritik in rebus publicis ausdehnte.

Ein ähnliches Bild zeigte sich in Bayern: Max Joseph fand bei Regierungsantritt 1799 engherzige Richtlinien für die Zensur vor. In seiner "Verordnung über die vollkommenste Preß- und Buchhandelsfreiheit" von 1803 veranlasste er die völlige Aufhebung der (Vor-)Zensur für "Bücher und Schriften". Ausnahme waren politische Zeitungen, für die weiterhin eine Vorzensur galt.

Hintergrund für die Veränderungen war, dass die Begründung der Presseaufsicht - die darin bestand konfessionelle Normen aufrecht zu erhalten - an Bedeutung verloren hatte seitdem Konfessionszugehörigkeit nicht mehr integraler Teil der Staatsfundamente war. Da sich zudem im 18. Jahrhundert die Landesherrschaften vom Reichsrecht emanzipierten wurde die Presse über landesherrliche Zensuredikte geregelt. Vor der Französischen Revolution ging die Tendenz in Richtung Lockerung, auch wenn immer wieder auch detaillierte Zensurverordnungen eingeführt wurden.

Die Französische Revolution führte jedoch zu einem Rückschlag: Sie war Anlass für Maßnahmen gegen den Import und die Verbreitung revolutionären Geistesgutes. Im Mittelpunkt stand nun Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Selbst tolerant gesonnene Herrscher konnten sich dem Druck der Restitution nicht entziehen.

Schließlich war die Wende zum 19. Jahrhundert dadurch geprägt, dass die allgemeinen Regelungen der Zensur immer weiter aufgegliedert und konkretisiert wurden. Friedrich Wilhelm II. schuf den Begriff der "Preßfrechheit" als Kampfwort gegen die Pressefreiheit.